Likörell-Ausstellung in der Kunsthandlung Langheinz in Darmstadt

Die Andrea Doria ankert in der Schulstraße


AUSSTELLUNG Die Kunsthandlung Langheinz feiert Udo Lindenberg musikalisch und bildnerisch / Performance von Künstler-Double Marcus Krey

VON PAUL-HERMANN GRUNER

DARMSTADT. Udo Lindenberg ist nicht nur der Mann am Mikro, sondern auch der an Stift und Pinsel. Zum 110. Firmen-Geburtstag buchte Langheinz zur Vernissage mit Arbeiten des Panik-Rockers auch das Lindenberg-Double Marcus Krey. Ein praller Abend an der Schulstraße.

Die Hausnummer 10 der Schulstraße ließ manchen Passanten am Freitagabend ungläubig innehalten. Im leer geräumten Schaufenster der Kunsthandlung Langheinz tanzte – typisch gummipuppenmäßig – ein Mann mit Hut und Sonnenbrille zu 6#8222;Hinter'm Horizont”. Klare Sache, eigentlich. Singt, brabbelt und nölt wie Lindenberg, ist schwarz gekleidet wie Lindenberg, kann nur Lindenberg sein. War aber Marcus Krey. Der Mann aus Wuppertal kann den echten Udo bis in Gestik und Mimik und ins halb gehauchte „Hallöchen” hinein so gekonnt kopieren, dass die Doppelgängerei erst beim dritten Blick deutlich wird.

„Wir mussten es einfach tun”

Noch bis zum 26. November stellen Stephan und Verena Langheinz Werke des Hamburger Deutsch-Pop-Königs aus. Von 1290 bis zu satten 32900 Euro kann man sich in der Kunsthandlung mit einem Udo-Unikat versorgen, die meisten quitschbunt und häufig mit einem Udo-Selbstporträt geschmückt. Stephan Langheinz wagte auch, den Malermeister selbst nach Darmstadt zu holen. „Wir dachten eben, wir greifen nach den Sternen, wir machen das Ding. Wir mussten es einfach tun.” Das Betriebsjubiläum war eine gute Chance. Aber Udo, der gerade, so Langheinz, an einem neuen Album und an neuen Bildern werkele, empfahl Udo 2.

Udo und sein Double kennen sich immerhin schon seit 1984. Seitdem konnte der Wuppertaler Marcus Krey den gebürtigen Gronauer ganz gezielt studieren und sich als Imitator profilieren. Bei Generalproben für Konzerte und Festivalauftritt mit dem Panikorchester vertrat Marcus Krey den Original-Udo des Öfteren mit Bravour.

Krey doublelt sogar die charakteristisch heruntergezogenen Mundwinkel des späten Udo so treffend, dass Betrachter um ein Dauerschmunzeln kaum herumkommen. Auch die Stimme passt, ist aber – Marcus ist immerhin 19 Jahre jünger als Udo ” in manchen Sequenzen kräftiger und volumenreicher als das doch schüttere Organ des Originals.

„Zusammen sind wir stark”: Die Münder des Ü-50- und Ü-60-Publikums bewegen sich fasziniert mit. Der Schauraum der Kunsthandlung ist pickepacke vollgestellt und die Temperatur steigt schnell. „Zwei wie wir, die können sich nie verliern”: Die Köpfe nicken, die Fäuste gehen hoch. Es fehlen noch die gereckten Feuerzeuge. „So was Großes geht nicht einfach so vorbei”: Marcus Krey dreht sich rum und singt nach draußen, winkt den Menschen in der Kolonnade der Schulstraße zu.

Einen Lautsprecher auch nach draußen zur Straße zu richten, war eindeutig die richtige Entscheidung. Musik wird zum Magneten. Auch in der Abendluft wiegen die Mittsechziger ihre Schulter-Nacken-Gegend so musikselig wie vor dreißig Jahren. Einmal gelernt, nie mehr verlernt.

Dann kommt die „Geigenvirtuosin” (Krey), die beim Original-Udo selbstverständlich eine Cellistin ist. Kleines Versehen, macht aber nix. Hat irgendwie auch was mit Saiten zu tun. „Ich saß immer in der ersten Reihe, und ich fand dich so erregend.”. Den Zuhörern wird wunderbar warm um die Seele. Selfies mit Marcus Krey im Hintergrund werden arrangiert. Als dann der „Sonderzug nach Pankow” nicht losrollen will, nehmen das alle vollkommen gelassen. Wiederholt will Titel Nummer 7 auf der Show-CD einfach nicht anspringen. „Deutsche Bahn eben”, meint eine Zuhörerin und lächelt in tiefstem Verzeihen. Auf der improvisierten Bühne trinkt Krey ein Glas Wasser nach dem Anderen. „Ich trinke Wasser wie Wodka”, witzelt er, „ich muss ja nicht alles nachmachen”.

Selten schallte mehr Rock durch die Kunsthandlung. Zum Finale lässt Krey die „Andrea Doria” vom Stapel. Das muss sein. Der gesamte kleine Saal singt und gröhlt mit. Vor dem Schaufenster wird der Refrain von einem breiten Chor mitgetragen: „Aber sonst ist heute wieder alles klar – auf der Andrea Doriaaaa”.

Patent: Likör und Acrylfarbe

Im Resultat ist festzuhalten: Kein Udo-Bild fiel von der Wand. Die eigentliche technische Finesse der ausgestellten Acrylarbeiten hatte Stephan Langheinz vorab schon betont: Lindenberg male stets mit einem besonderen Likör- und Acrylfarbengemisch. „Das hat sich der Mann sogar patentieren lassen.”

Und lässt die Ergebnisse europaweit verkaufen. Lindenberg ist als Marke etabliert. Auf der Nummer 12 der ausgestellten Bilder steht udophilosophisch geschrieben: „Realität ist nur eine Illusion, die sich durch Mangel an Alkohol einstellt.” Zu haben für 4250 Euro.

Das kleine Double-Konzert dagegen war fürs Publikum kostenfrei. Dabei gab es hier eine Illusion zu erleben, die wie Realität wirkte und darüber hinaus ohne einen einzigen Tropfen Alkohol zustande kam. Entzückend.

Darmstädter Echo, 02.11.2015

Kunsthandlung-Langheinz.de (externer Link)